Kampf gegen CO2-Verpressung in den Untergrund des Oderbruchs und anderswo

Im Frühjahr 2009 erfuhren wir, dass der Vattenfallkonzern sowie die Bundes- und Landesregierung Millionen von Tonnen hochverdichtetes, verflüssigtes CO2 in über 1.000 Meter unter die Scholle des Oderbruchs dauerhaft deponieren will. Über hundert Ortschaften, von Ahrensfelde bis Zollbrücke, in einem Umkreis von über 50 Kilometern um Neutrebbin herum sind direkt betroffen, wenn das CO2 sich anständig benimmt. Denn die poröse Sedimentschicht, die verfüllt werden soll, sind allen Seiten offene "saline Aquifere", in die das unreine Gas von Kohlekraftwerken heftig injiziert wird.

Ende 2011 musste Vattenfall seine Vorhaben in Brandenburg und generell in Deutschland aufgeben. Der Grund: Die Bürgerproteste gegen CCS und die Gesetzeslage im Bund-Länder-Streit. Aber Vattenfall engagiert sich an anderen Orten: So in Radnica - 40 Kilometer entfernt von Frankfurt (Oder). Hier sucht Vattenfall nach den erfolgreichen Protesten in Brandenburg nach einem neuen Platz zur Erprobung der umstrittenen Technologie.

Die größte Dreckschleuder soll expandieren und die Bevölkerung über 1.000 Jahre mit einem Lagerkoller leben. Dabei könnte eine Abschaltung von zwei Blöcken im Kraftwerk Jänschwalde schon ausreichen, um die Klimaschutzziele zu erreichen, ohne mehr Braunkohle abzubauen. Die Stromlücke von 7.200 GWh kann durch erneuerbare Energien geschlossen werden. 

CCS steht für "Carbon Dioxide Capture and Storage" - ein technologisches Verfahren zur Abscheidung von Kohlendioxid (CO2) bei der Kohleverbrennung in Kraftwerken und das Einbringen des abgeschiedenen CO2 in unterirdische Gesteinsschichten.
In Deutschland trat am 24. August 2012 das Gesetz zur Demonstration der dauerhaften Speicherung von Kohlendioxid (Kohlendioxid-Speicherungsgesetz - KSpG) gesetzlich in Kraft. In diesem Gesetz ist geregelt, dass in Deutschlnad eine Höchstspeichermenge von vier Millionen Tonnen
CO2 pro Jahr zugelassen ist (max. 1,3 Millionen Tonnen pro Jahr pro Speicher). Weiterhin ist eine Länderklausel enthalten, die einzelnen Bundesländern die Option zum generellen Verbot der CO2-Speicherung auf ihrem Territorium ermöglicht. Allerdings ist dies zeitlich befristet und bietet keine ausreichende Rechtssicherheit.

Die Auseinandersetzung um CCS ist daher längst nicht beendet - die Gefahren sind noch nicht gebannt.
Wir engagieren uns für einen Weg, auf dem wir vor unseren Nachkommen bestehen können!
Wir sind für eine konsequente Orientierung auf den Ausbau erneuerbarer Energien!

Aktuelle Meinung zum Klimaschutz

Das Anliegen des Institut für Klimaforschung  PIK, den Klimawandel zu begrenzen, ist aller Ehren wert– nur leider setzen die Forscher seit jeher auf den Irrweg CCS-Technologie. Dabei werden vor allem drei Aspekte ausgeblendet:
1. wer auf teure Entwicklung und Einsatz von CCS setzt, wird die globale Kohleverstromung vorantreiben - und damit das Weltklima weiter anheizen, denn
2. müsste wegen des energieintensiven CCS-Verfahrens für den gleichen Energieoutput noch mehr Kohle verbrannt werden, zudem könnte auch nicht alles CO2 aufgefangen werden und daher würden die Emissionen der Kohlemeiler trotz CCS viel zu hoch bleiben.  
3. erscheint es aus geologischer Sicht nicht wahrscheinlich, dass CO2 dauerhaft unter der Erde zu lagern ist. Entweicht es, ist aber für das Klima nichts gewonnen.
Deutlich dagegen ist die Gefahr, dass die unterirdische Verpressung die Grundwasservorkommen weiträumig gefährden kann.
Statt risikoreicher Technologien muss endlich der Weg der Energiewende und der Energieeinsparung gegangen werden. Nur das ist ein sicherer Weg für Klimaschutz.

Berlin den 16.09.2013
Tina Löffelsend,
BUND-Energieexpertin,
Tel. (0 30) -2 75 86 -4 33

Statements zum CCS-Vorhaben von Rolf Ignaz:

• „Wenn Deutschland als starkes Wirtschaftsland mit intelligenten und erneuerbaren Energieträgern der Welt vorlebt, wie eine ökologische Zukunft aussehen kann, dann wird dies überall die Demokratie stärken. Nehmen wir diese Herausforderung an. Das wird uns die Anerkennung nachfolgender Generationen sichern“, sagte Rolf Ignaz, Sprecher des Vereins BruchKultur aus Ostbrandenburg, wo eines der CO2-Endlager entstehen soll. Quelle. 16.05.2011.

• "Die zunehmend überregionale Betroffenheit von CO2-Pipelines und –Endlagern sowie die Uneinsichtigkeit der Politik, die weiterhin auf diese rückwärtsgewandte Technologie setzt, erklärt das große Engagement bei den Pflanzungen", sagt Rolf Ignaz, Sprecher des Vereins BruchKultur aus Ostbrandenburg. Quelle. 14. November 2010.

• "Die handelnden Landes- und Bundespolitiker sollten vor Einführung der nächsten Risikotechnologie, nach der Atomenergie die nächste Energietechnologie mit Endlagerproblemen, die Argumente der Bevölkerung ernst nehmen.
Eine weitere Klientelpolitik akzeptieren wir nicht.", ergänzt Rolf Ignaz, Sprecher von Bruchkultur e.V., einem Verein aus Ostbrandenburg. Quelle. 15.10.2010.

• "Jeder Baum solle ein Mahnmal für eine umweltfreundliche Energieversorgung sein - für eine enkeltaugliche Zukunft", so Rolf Ignaz von Bruchkultur e.V., der die Pflanzungen im Oderbruch koordinierte. Quelle. 27. März 2010.